WARUM ALLEIN SEIN NICHT SCHLECHT IST UND WIR ES TROTZDEM NICHT AKZEPTIEREN WOLLEN

Die verzweifelte Suche, sie ist allgegenwärtig. An erster Stelle natürlich im Club, in dem man sicher nicht seinen Traumpartner finden wird. Wobei auch hier die Ausnahme die Regel bestätigt, aber trotzdem nicht zur Elite Partnerbörse Nummer eins aufsteigt. Denn nachts sind alle Katzen grau. Wie Recht dieses Sprichwort hat, beweist das unsanfte Ende einer Partynacht, wenn die Feier-Location das grelle Neonröhrenlicht anknipsen lässt, der künstliche Nebel langsam verdunstet und plötzlich dein heißer Tanzpartner gar nicht mehr so scharf wie mexikanisches Chili ist, sondern einen riesigen Leberfleck mitten auf der Nase hat. Gut, dieses Beispiel ist wohl etwas weit hergeholt, aber ihr wisst was ich meine.

Überhaupt und sowieso will man nicht akzeptieren, man könne vielleicht unattraktiv auf andere wirken. Eben, weil der tolle Typ an der Bar mit dieser dunkelgrauen Maus plötzlich ins Gespräch kommt. What the fuck. Hallo, wir sind gleich ein paar Meter weiter. Wir sind hier. Später werden wir wohl zu dem Entschluss kommen, er bevorzugt das Schwimmen ans andere Ufer. Wir werden damit zufrieden sein.

Wenn man anfängt, in einem großen Möbelhaus, sogar die Mitarbeiter hinter der Theke im hauseigenem Restaurant anzuschmachten, läuft definitiv was falsch. Man frägt sich plötzlich: Was ist mit mir los? Was stimmt mit mir nicht? Man führt sich schnell vors geistige Auge, dass es die Suffrageten waren, die vor 100 Jahren für die Freiheit und (Wahl)Rechte von Frauen gekämpft haben. Ihr Herz und Blut steckt in unserer Emanzipation. „WIR BRAUCHEN KEINE MÄNNER, UM GLÜCKLICH ZU SEIN!“, schreit meine innere Frauenrechtlerin und kippt mir einen Eimer mit eiskaltem Wasser ins Gesicht.

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Und auf einmal schreckt man auf und ist peinlich berührt. Merkt eh keiner, weil man zum Glück nur gedanklich mit dem Mitarbeiter geflirtet hat, äußerlich aber toootal cool geblieben ist. Kein hysterisches lachen oder Honigkuchen-Grinsen, kein wahnsinniges zurückwerfen der eigenen Haare. Nö, wirklich nicht. Alles easy. Man ist schließlich ganz Profi, zumindest solange man noch in Sichtweite ist. Danach ist man wieder zurück in der Anfangsphase der Pubertät und das mit Ü20. Klasse.

Ich such ihn dann mal auf Facebook.

Und wenn man ehrlich ist, macht einem das ganze auch richtig fertig. Gar verrückt. Es ist zeitintensiv, denn man muss sich regelmäßig in der Öffentlichkeit blicken lassen. Kostspielig, weil man ein Mädchen ist, Gesichtscontouring viele Produkte verschluckt, ein Händchen für abstrakte Kunst voraussetzt und somit wieder auf Punkt eins zurückführt. Hallo Teufelskreis. Fühlt sich etwa wie Arbeit nach der Arbeit an. Die Suche nach der Liebe – ein Fulltime-Job, der sich wie der Wolf im Schafspelz, als Nebenjob tarnt. Gemein.

Da steckt man also seine ganze Energie in einen Abend, um dann doch für sich selbst am Ende festzustellen, dass man alleine eigentlich auch ganz glücklich ist. Aber dann steht plötzlich der Herbst vor der Tür, klopft stürmisch und teilt einen gnadenlos mit, dass man zu zweit dann doch weniger alleine ist. Klingt logisch. Ich wäre jetzt dann soweit. Also her mit den Boys. Cheers.

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