VOM SINGLELEBEN UND ÄLTER WERDEN

Meine Freundin hat seit einiger Zeit wieder einen festen Freund. Schwer verliebt und ein Haus mit Garten. Sie richtet sich gerade Schritt für Schritt ein. Das heißt: sie freut sich jetzt auch über eine Waschmaschine und demnächst auch über einen neu gefliesten Boden. Letztens war ich mit ihr im Supermarkt einkaufen. Sie kennt sich dort schon blind aus und weiß genau wo sie die Schnäppchen finden kann. Ich jedoch kann das ganze nicht (mehr) verstehen. Das alles habe ich seit einiger Zeit hinter mir, weiß genau, wie man plötzlich in die Rolle der „Hausfrau“ schlüpft. Mehr oder weniger freiwillig. Jetzt bin ich Single und schwups kann ich das ganze nicht mehr nachvollziehen. Die Wäsche schaff ich kaum, denn der Job steht ganz oben auf der Liste. Die Katze will gefüttert werden und der Abwasch muss auch gemacht werden, nachdem keine Gabel mehr zu finden ist. Ich denke, die letztere Eigenschaft habe ich blind von meinem Ex-Partner übernommen. Chapeau!

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Diese eine Freundin hat jetzt sogenannte Verpflichtungen, wie das Haus sauber halten, Kuchen für die Verwandtschaft backen und wenn der Liebste nach einem langen Arbeitstag zur Tür rein kommt, will das Essen selbstverständlich auf dem Tisch bereit stehen. Ich hingegen habe Zeit ohne Ende, wenn ich dann mal frei habe, muss ich unterhalten werden und Neues entdecken. Schwierigkeit N° 1: ich arbeite in München, lebe aber in Niederbayern. Das sind zwei Welten, die sich ab dem Hauptbahnhof in München wie die Spreu vom Weizen trennen.

Adieu, hektisch schönes Großstadtleben!

Macht es jetzt einen Unterschied, in München oder auf dem Land in einer Beziehung zu sein? Ich sage: ja.

Erfahrungsgemäß funktionieren Partnerschaften auf dem Land besser. Wer will schon zu zweit auf 30 Quadratmeter leben und sich ein Bad teilen, bei dem die Knie die Wand berühren, sobald man sich auf den Pott sitzt? Ich sage euch, auf Dauer niemand. Wer empfindet noch Liebe für sein Gegenüber, wenn man nach einem langen Arbeitstag zur Tür rein will, sie aber nicht öffnen kann, weil die Schublade der sogenannten „Küche“ offen ist. Ausrasten ist dann angesagt.

Alles nicht so schlimm, wenn man sich liebt schafft man das, mögen eure Worte jetzt sein.

Mag alles funktionieren, solange man noch frisch verliebt ist und 24 h die Finger nicht voneinander lassen kann. Nach ein paar Jahren sieht die Welt schon anders aus. Macht es besser, zieht entweder nie zusammen oder nehmt euch um Gottes Willen eine größere Wohnung!

Lebt es sich als Single in der Großstadt besser? Das kann ich mit 100%-iger Sicherheit nicht bejahen. Meiner Vorstellungskraft nach aber mit guten Gewissen befürworten. Die Auswahl ist größer, schöner, gebildeter. Hier lehne ich mich weit aus dem Fenster, aber die Männer hier auf dem Land beweisen leider immer wieder, dass sie mehr von Autotunen und Bauwagenpartys verstehen, als von Frauen. Wer sich in ausgelatschten Sneakern, Vereinsshirt und einem Google-Anmachspruch einer Frau nähert, hat entweder ein enorm (un-)gesundes Selbstbewusstsein oder hat die Zwölf noch nicht gehört. Landleben hin oder her. Manchen würde ein bisschen Großstadtluft nicht schaden.

Da gibt es eine andere Freundin, die mich auf eine bestimmte Art bewegt, gar manchmal traurig stimmt. Vor allem, wenn wir zu dritt in einem bestimmten Club unterwegs sind und im Schutz der Dunkelheit ins Gespräch kommen. Sie ist groß, im besten Alter, sieht dufte aus und Single. Sie hat keine großen Ansprüche an die Männerwelt – wirklich nicht, denn sie kennt die Realität. Wenn so eine Frau niemanden findet, wie soll ich jemals wieder eine Chance haben. Gut, dass ich mich schon vor Jahren für zwei Katzen entschieden habe.

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Zurück zur „Hausfrau“. Während ich die Zeit totschlagen, Festivals besuchen und meinem Hobby fotografieren nachgehen will, reicht es ihr mittlerweile vollkommen aus, ein Konzert oder das örtliche Sommerfeuerwerk von einem ihrer zwei Balkone aus zu betrachten. Was zur Hölle ist passiert? Sie ist verliebt und zufrieden, so erkläre ich es mir.  Während das Motto früher: Mitten drin, statt nur dabei war, höre ich ab Mitternacht nichts mehr von ihr. Mein WhatsApp bleibt stumm, denn sie schläft schon. Übrigens geht es nächste Woche zu einer privaten Thermomix Vorführung. Sie hat mich eingeladen, ich habe zugesagt. Und glaubt mir, das hätte ich von mir vor ein paar Jahren auch nicht erwartet…

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