OBERITALIEN⎜LAGO DI GARDA & VERONA IMPRESSIONEN

370 Kilometer Autobahn bei durchschnittlich 100 km/h, innerhalb von ca. vier Stunden. Österreich. Italien. Innsbruck, Bozen, Verona. Der Wecker klingelt um halb vier. Draußen ist noch alles dunkel und nur das Vogelgezwitscher draußen vor dem Fenster verrät, dass das Morgengrauen naht. Zähneputzen, Kaffee trinken – los gehts. Der Kofferraum ist voll – eigentlich zu voll, denn wir sind nur für eine Nacht unterwegs. Bella Italia für nicht mal 48 Stunden.

Wir überqueren die Grenze und lassen Deutschland nach einer halben Stunde schon hinter uns. Zwischen den Bergen erkämpft sich die Sonne ihren Platz am Himmel. Ich mag die Ruhe und die Stimmung, die jetzt gerade herrscht. Freie Fahrt bei 80 Stundenkilometer. Die Landschaft um uns herum – wie auf kitschig schönen Postkarten, die man Omi sendet. Erste Mautstelle Europabrücke: unspektakulär und schnell überquert. Weiter auf dem Brenner und nach zweieinhalb Stunden wird das gezogene Ticket eingelöst. Jetzt ist es nicht mehr weit. Die Landschaft wechselt von österreichischem Alpencharme auf italienisches Flair. Von typisch „toskanischen“ Häuschen werden wir langsam empfangen. Ihr wisst schon, die, die Gelb und terrakottafarben bestrichen und mit bunt gemixten Dachziegeln geschmückt sind. Ein letzter Stop an der Tanke, um sich nochmal die Füße zu vertreten und sich über die Benzinpreise zu amüsieren. Nächste Ausfahrt Peschiera. Das Hostel ist gleich gefunden. Es befindet sich gleich am Ortseingang und wenige Meter von der Seepromenade entfernt. Ich war noch nie am Gardasee und auch Italien ist für mich neu. Den Kanal mit all den kleinen Booten finde ich auf anhieb zuckersüß. Das Wasser glasklar und türkisfarben, man könnte meinen, man befindet sich in einer kleinen Bucht an der Adria. Was fehlt, ist die salzige Luft. Ist halt doch „nur“ ein See. Im Hintergrund das Bergpanorama, welches einen nur träumen lässt. Der Dunst liegt noch über dem Gewässer und ein kleiner Junge versucht sein Glück beim fischen.

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Kennst du das Land, in dem die Zitronen blühen?

Weil wir hier aber nur eine Nacht bleiben, machen wir uns zu Fuß auf, um den Bahnhof zu finden. Weit weg ist er nicht und groß auch nicht. Dafür stehen eine Menge Touristen vor und in der Halle. Zwei Ticketautomaten, die einen laut auf deutsch, italienisch und englisch erklären, dass man auf die diebischen Langfinger achten soll. Ein bisschen schäme ich mich, weil die deutsche Version sich ein bisschen nach Weltkrieg anhört. Italienisch hingegen klingt wie weiche Butter in den Ohren. Statt dem Zug, der unglaubliche 37,00 € pro Fahrt und Person kosten soll, nehmen wir den Bus. Der geht sowieso in 20 Minuten nach Verona. Aber wer die deutsche Pünktlichkeit lebt wird in Italien schnell an seine Grenzen stoßen. Der Bus trödelt in italienischer Manier 27 Minuten später ein und von vielen müssen noch Fahrkarten erworben werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit, also mehr als eine Stunde später, erreichen wir den Hauptbahnhof Verona.

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Und was bist du schön, Verona. Das Kolosseum beeindruckt nicht nur mit ihrer Touristenschlange vorm Eingang, sondern durchaus auch wegen seiner Geschichte und Architektur. Noch schöner: die Via Mazzini. Mit hell marmorierten Boden lädt Veronas größte und belebteste Fußgängerzone zum Geld ausgeben ein. Ein Schaufenster prächtiger als das andere. Eine wahre Augenweide dieses Gässchen. Wer Romeo und Julia besuchen will, der darf keine Platzangst aufweisen. Unkontrolliert und völlig überfüllt zwängen sich alle Nationen durch das kleine Tor, auf dem Schlösser und Liebesbeurkundungen zu finden sind. Und dann, nach 3 Metern Tunnelhorror, erhascht man völlig erschöpft einen Blick auf einen Steinbalkon und eine Bronzestatue. Das ist Julia. Julia hat schon einen goldenen Busen, weil ihr permanent ein Besucher die Hand rauf legt, um ein bisschen Glück (und ein Selfie) zu erhalten.

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Die beste Eisdiele befindet sich meines Erachtens nach im Zentrum, direkt an der Palazzo Maffei. Fischgrätparkett und in der Theke eingelassene kleine Eisbehältern mit Deckel geben einem ein nostalgisches Gefühl. Wunderbar. Aber auch die Eiskünstler zwei Türen weiter sind nicht zu verachten. Die fertigen die beliebten Instagram Eisrosen. Nicht nur wunderbar zum anschauen, lecker sind die ebenfalls und Geduld braucht man auch. Für eine Rose stellt man sich schon mal locker 15 Minuten an. Ihr klebt quasi an eurem Vorder- und Hintermann, aber es wird sich lohnen. Die Mitarbeiter zaubern euch in aller Ruhe eine Rose nach Wunsch. Doch jetzt genug von Verona.

Peschiera braucht sich auch nicht zu verstecken. Blumen an den Brücken und Musik in der Luft. An der schmalen Seepromenade drängeln sich Familien mit Kinderwägen, sowie frisch verliebte Paare und auffällig viele britische Rentner in alle Richtungen. Alleine fühlt man sich in Italien also wirklich nicht. Den Sonntag vertreibt man sich am besten in den schattigen Gassen, die zahlreiche Cafés und kleine Boutiquen zu bieten haben.

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Fazit: Italien ist schön, ein Wochenende definitiv zu wenig und anstrengend. Es gibt einfach zu viel zu sehen und wer nicht mit „wundgelaufenen“ Füßen die Heimfahrt antreten will, der sollte definitiv mehr Tage einplanen oder auf Sandalen in der Stadt verzichten. Sneaker sind hier allerhöchste Pflicht, um sicher und wohlbehalten die Kopfsteinpflaster zu überleben.

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Europabrücke: 9,00 € / Strecke ⎜Maut Brenner: 15,30 € / Strecke⎜Meet Hostel: ab 29,00 € / Person und Nacht ⎜Benzin: ca. 60,00 €⎜

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